Fremde Federn

 

 

fremde-federn

Die Redewendung, jemand schmücke sich mit fremden Federn, geht auf den römischen Fabeldichter Phädrus zurück. Eine seiner Fabeln erzählt vom Versuch einer Krähe, sich mit Pfauenfedern zu verkleiden. Der Schwindel fliegt natürlich auf: Die Krähe ist ein schlechtes Plagiat.

Der Verdacht auf fremde Federn wird besonders gern an veröffentlichte Texte herangetragen. Promovierte Bundespolitiker können ein Lied davon singen. Manche Schriftsteller auch: 2010 löste der Roman „Axolotl Roadkill“ der Autorin Helene Hegemann in den Medien eine erhitzt geführte Debatte über den schmalen Grat zwischen künstlerischer Freiheit und Urheberrechtsverletzung aus.

Wir nehmen das Urheberrecht ernst. Deshalb stellten wir es 2013 erstmals in den Mittelpunkt eines neuen Veranstaltungsformats. Unter dem Titel „Fremde Federn“ setzte es formal bei den Kriterien an, die den Poetry Slam ausmachen. Auch seine Akteure wählten wir aus der Slam-Szene aus, weil die Performance der Texte perfekt sein sollte. Die Bühne war aber nicht mehr offen, sondern vereinte fünf Spoken-Word-Poeten zu einem festen Ensemble. Stammbesucher des Poetry Slam Oldenburg haben alte Bekannte wiedergetroffen. Und einen bekannten Moderator. Bei jeder Veranstaltung des Formats haben wir die Zuordnung von Bühnentext und Slam-Poet zunächst gründlich verunklart. Die Akteure durften sich mit fremden Federn schmücken und den ihnen per Los zugeteilten Text so glaubwürdig wie möglich als ihren eigenen vortragen. Der spielerische Umgang mit dem Copyright sollte die Lust am Regelverstoß berücksichtigen. Natürlich haben wir aber bei jeder Veranstaltung letztlich eindeutig geklärt, wer der Verfasser welches Textes war. Wie beim Poetry Slam kam dem Publikum eine entscheidende Rolle zu, denn es bewertete, welcher Poet sich am überzeugendsten mit fremden Federn schmücken konnte.

2013 haben wir „Fremde Federn“ im Musik- und Literaturhaus Wilhelm13 zum ersten Mal auf die Bühne gebracht. Und weil „Fremde Federn“ seitdem nicht nur uns als Veranstalter und die beteiligten Bühnen-Poeten als Akteure überzeugte, sondern auch unser Publikum begeisterte, geht es auch 2017 weiter.

Nächster Termin: Freitag, 15.09.2017, 19:30 Uhr

Der Eintritt kostet 9 Euro, ermäßigt 7 Euro.
Karten gibt es im Internet unter www.wilhelm13.de und im Literaturbüro Oldenburg telefonisch unter (0441) 235-3014. Aufgrund der hohen Nachfrage empfiehlt es sich, den Vorverkauf zu nutzen.