Rückblick auf den 04.07.2014

Am 4. Juli war es wieder so weit: Im Musik- und Literaturhaus Wilhelm13 stand eine weitere Ausgabe des Post-Poetry-Slams Fremde Federn auf dem Programm. Trotz des Viertelfinalspiels der Fußballweltmeisterschaft Deutschland gegen Frankreich, das um 18 Uhr begann, konnte die Veranstaltung um Viertel nach Acht mit so gut wie voll besetztem Saal nahezu pünktlich starten. Es gibt sie also wirklich – die echten und treuen Poetry-Fans!

Mit dabei waren diesmal die beliebten Bühnen-Poeten: Adriane Meinhardt, Julia Balzer, Sascha Mühlenbeck, Sebastian Hahn und Torben Willmer. Nach bereits bewährtem Konzept performten sie in der ersten Runde zunächst jeweils einen eigenen Text, um Publikum und Jury auf Texte und zugehörige Autorenschaft einzunorden.

Nach einer kurzen Pause wurde in der zweiten Runde von jedem Ensemblemitglied  der Text eines Kollegen vorgetragen, und zwar möglichst glaubwürdig. Die Jury hatte die Aufgabe, diese Beiträge den wahren Urhebern zuzuordnen. Hier eine kurze Zusammenfassung:

Sascha trug zu Beginn Torbens Text „Missverständnisse“ vor: die Geschichte eines Mannes, der sich gutmeinend verhält und durch unbedarfte Äußerungen eines kleinen Mädchens plötzlich schwerwiegenden Vorwürfen gegenüber steht. Obwohl dem Vortragenden stellenweise leicht anzumerken war, dass eine vollständige Identifizierung mit dem Geschriebenen nicht immer gegeben war, handelte es sich doch um eine tadellose Performance.

Im Anschluss las Torben überzeugend Adrianes Text „Mama goes online“ vor: Die Darstellung unbekümmerter Mitteilsamkeit in sozialen Netzwerken war durchaus medienkritisch zu verstehen und trug unverkennbar Adrianes Handschrift, der es immer wieder gelingt, durch genaue Beobachtung alltägliche Begebenheiten pointiert und humorvoll zu schildern.

Überragend war der Vortrag Sebastians, der den Text „Hau den Lukas“ seines Duo-Partners Sascha las. (In der Poetry-Slam-Szene sind die beiden unter dem Namen Konservativ Erotischer Männer-Gesangsverein bekannt). Die Story des Mützenträgers, der auf dem Jahrmarkt seinen Ex-Schulhof-Peiniger in die Schranken verweist, wurde von Sebastian äußerst glaubhaft verkauft und sorgte für herrlich ausgelassene Stimmung im Publikum.

Ebenfalls ein Brüller war Sebastians parodistischer Text „Ich hasse den Winter“, der von Julia gekonnt herzerweichend präsentiert wurde: Der Ich-Erzähler erleidet bei Glatteis ein Missgeschick, erfährt von den Umstehenden allerdings lediglich Unverständnis und Hohn. Skurril aber mit Realitätsbezug.

Den Abschlussbeitrag bot Adriane mit Julias Reimtext „Von Frankfurt nach Oldenburg“ höchst lässig dar. Die Ode an die Heimat beschreibt treffend die Vorzüge einer nordwestdeutschen Provinzmetropole, die der Autorin nach anfänglicher Skepsis doch ans Herz gewachsen ist.

Ein großes Lob gilt der Jury, deren fast immer einstimmiges Votum die Urheberschaft stets richtig zuzuordnen wusste. Deutlich wurde, dass unsere Akteure sich ein Profil erarbeitet haben, das selbst bei verschleierndem Fremdvortrag klar präsent blieb – Herzlichen Glückwunsch!

Zu guter Letzt ließen Sascha und Sebastian es sich nicht nehmen, für eine Zugabe noch einmal gemeinsam auf die Bühne zu steigen und eine Glanznummer ihres Duo-Programms zum Besten zu geben – der krönende Abschluss eines gelungenen Abends!

Wir freuen uns auf die nächste Fremde Federn Veranstaltung am 21. November, zu der die Juroren der vergangenen Ausgabe jeweils eine Freikarte erhalten.